
Connewitz soll plötzlich eine »rassistische No-go-Zone« sein – behaupten antizionistische Gruppen, die am 17. Januar mit Palästinafahnen in den Leipziger Süden mobilisieren. Applaus kommt von Neonazis und den »Freien Sachsen«. Ziel: das Conne Island, eine Linken-Abgeordnete, antifaschistische Strukturen. Ein kurzer Blick von der Provinz in die Großstadt.
Ende Dezember gaben mehrere autoritäre antiimp und antiisraelischen Gruppen aus Leipzig bekannt, am 17.01. 2026 durch Connewitz zu ziehen, um den Stadteil gegen “Hängengebliebene” und “Zios” zu verteidigen. Angekündigt und somit durch den antizionistischen Mob bedroht werden im Aufruf das „Conne Island“, welches als vermeintliches Zentrum der israelsolidarischen Szene ausgemacht wird, und das „LinXXnet“ Büro von Juliane Nagel. Zur Demonstration rufen unter anderem „Handala Leipzig“, „Lotta antifascista“ und die „migrantifa Leipzig“ auf. Allesamt durchsetzt mit pro-islamistischer Hamas Propaganda. Die „Gruppe Florida“ aus Leipzig schreibt hierzu in ihrem Aufruf: „Handalas ‘Palästinasolidarität’ ist instrumentell. Selektiv. Kultisch. Destruktiv. Egozentrisch. Völkisch. Dogmatisch. Dass sie keinen Frieden wollen, haben sie auf ihren Demos mehrfach ausdrücklich gesagt.“
Der Aufruf von Handala und Co behauptete das der Stadtteil, wegen der “Antideutschen”, nicht sicher für Geflüchtete sei, schließlich interessieren sich diese Gruppen genau dann für die Bedrohung von Geflüchteten in Sachsen, wenn es der eigenen Propaganda dienlich ist. Der Flüchtlingsrat in Sachsen sah sich dazu veranlasst dieser Darstellung zu widersprechen und stellte fest: “Handala helfe Rechtsextremen, ‘wenn sie mit falschen Behauptungen einen Keil zwischen die alternative, antirassistische Szene und geflüchtete Menschen in Leipzig treiben wollen'”. Nicht nur das es gerade zu absurd erscheint in einem Bundesland wie Sachsen ausgerechnet den Stadtteil Connewitz als Bedrohung für Geflüchtete auszumachen, es zeigt das eigene rassistisch-instrumentelle Verhältnis der aufrufenden Gruppen.
Der Link nach Erfurt ist durch israelfeindliche Netzwerkarbeit gegeben. Akteure wie „Erfurt Unsilenced“ die ihren antisemitischen Aktivismus als offiziell anerkannte Hochschulgruppe an der Erfurter Universität betreiben, bewerben die Demonstration. Leipziger Gruppen wie Handala supporten die Hochschul-Aktivist:innen seit ihrer Gründung, vor allem durch Anreisen zu Demonstrationen. Weiter bewirbt die Gruppe „Rotes Erfurt“ die Demonstration. Wie ihre Kamerad:innen in Leipzig (allen voran Young Struggle) nutzen sie nahezu jede Gelegenheit, um gegen den jüdischen Staat zu agitieren. Auch in Erfurt diente zuletzt die Wehrpflichtdebatte nicht einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Militarismus, sondern als willkommene Bühne für offene antizionistische Propaganda.
Gemeinsam mit der SDAJ veranstalteten sie am 13. Dezember eine Filmvorführung des Machwerks „To Kill a War Machine“. Der Film ist bereits aus ästhetischen Gründen schwer erträglich, vor allem jedoch stellt er eine ideologische Zumutung dar: Er reproduziert unverhohlen israelfeindliche Narrative und bedient eine Propaganda, die inhaltlich nahtlos an die Positionen von PFLP und Hamas anschließt. Im Zentrum steht die britische Anti-Israel-Gruppe Palestine Action, die ihre sogenannten „Aktionen“ längst nicht auf Vandalismus in britischen Basen beschränkt, sondern auch jüdische Gemeinden und Einrichtungen bedroht, die Sie willkürlich mit Israel in Verbindung bringen. Was von “Rotes Erfurt” und “SDAJ” als Aktivismus glorifiziert wird, ist nichts anderes als die Normalisierung antisemitischer Feindbilder.
Bezeichnend ist zudem, wogegen dieser sogenannte Antifaschismus von Handala-Leipzig nicht mobilisiert. Während man jede Gelegenheit nutzt, gegen Israel zu agitieren und antisemitische Narrative zu verbreiten, fehlt von ihr seit Jahren jede ernsthafte Mobilisierung gegen Neonazis in Sachsen. Keine Busse, keine Aufrufe, keine Präsenz auf Demonstrationen gegen Neonazis, rechte Netzwerke oder völkische Strukturen. Der Kampf gegen Rechts endet dort, wo er in Sachsen beginnen müsste. Stattdessen verlegt man sich auf symbolische Ersatzhandlungen und ideologische Stellvertreterkämpfe, die vor allem eines leisten: diejenigen zu Feinden erklären die seit Jahren, dem sächsischen Normalzustand die Stirn bieten. Sehr zur Freude der Neonazis wie den “Freien Sachsen” übrigens, die zumindest im Internet behaupten an dem Tag ebenfalls nach Connewitz kommen zu wollen.
Heute, Sechs Tage vor der Demonstration in Connewitz jährt sich außerdem der Überfall durch Neonazis auf den Stadtteil zum zehnten Mal. Damals zog ein Neonazi-Mob bestehend aus 300 Personen durch Connewitz um Menschen anzugreifen und gesamte Straßenzüge zu verwüsten. Vor Gericht wurden die Neonazis, darunter nicht wenige aus Thüringen und speziell Erfurt, mit Nachsicht und Milde behandelt, während man in Sachsen antifaschistische Gegenwehr und speziell der Stadtteil Connewitz drangsaliert, verfolgt und nachhaltig bekämpft wird. Deshalb gibt es anlässlich des Jahrestags des Überfalls eine Demonstration von „Rassimus tötet Leipzig“, die diese Kontinuitäten benennt und in der allgemeinen Aufregung rund um das Palästina-Stelldich ein, viel eher eine bundesweite Aufmerksamkeit verdient hätte. Startpunkt 19:00 Wolfgang- Heinze- Straße.
Wir unterstützen die Aufrufe. Ab nach Leipzig.